Jorinde und Joringel

Ein Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm

Es war einmal...

 ...eine alte Frau, eine Erzzauberin in einem Schloß, mitten in einem großen, dicken Wald. Sie hatte wohl 

siebentausend Vögel - ehemals Jungfrauen- in Käfige gesperrt und erfreute sich an ihrem Gesang.   
Es war einmal...
  ...ein Brautpaar - Jorinde und Joringel- die gingen im Wald spazieren und gerieten in den Bannkreis der
Alten. Die Sonne ging unter; die Alte kreist  als Eule  drei mal um das Liebespaar und Jorinde ist in eine
Nachtigal verwandelt.

Es war einmal...

  ...ein schöner Jüngling, der jetzt sehr unglücklich war.  Wie nur sollte er seine  Jorinde   wiederbekom -
men? Er hütet Schafe, übt sich in Geduld und hofft auf ein Wunder. Ist es möglich, durch die Kraft der

Liebe den Zauberbann zu brechen? Werden sich Jorinde und Joringel  je wiedersehen?

 

Das Grimm’sche Märchen von dem Liebespaar, das in den Bann von Magie und Verwandlung einer alten
Zauberin gerät, wird  in archaischem Stil präsentiert:
Auf einer leeren Bühne: ein Käfig, ein Hochsitz, ein Mantelstock. Eine Baumrinde ist zugleich  Wald, Schloß,
Kleid, Ofen oder Fenster. Die Erzzauberin zeigt sich in machtvoller Größe auf Stelzen und mit wechselnden
Masken. Das Liebespaar: feingliedrige Stockpuppen aus vewittertem Wachholderholz, fähig zum Höhenflug der
ersten Liebe. Jorinde und Joringel werden geführt von der Zauberin- sie hält ihr Schicksal in den Händen-
sowohl im Guten als auch im Bösen. Nur die bedingungslose Liebe kann am Ende den Zauber lösen.
Im Käfig eingesperrt: die Erzählerin - zugleich Musikerin- ist Verkörperung von Jorinde in leuchtendem orange-
farbenen Kleid, jung und schön, der Gegenpart zur Alten. Sehnsucht, Liebe, Verzweiflung und Trost bringt sie
zum Ausdruck mit Gesang, Violine, Viola,  Bambusflöte und Percussison– unterstützend, vorantreibend und
auf ihre Art verzaubernd. Die Spielerin Mo Bunte und die eine Generation jüngere Musikerin Anna Katharina
Kaufmann erzählen das alte Märchen im Zusammenspiel von Alter und Jugend, Überlieferung und experimen-
teller Spiellust. Die fließenden Grenzen zwischen Maskenspiel, Figurenspiel und musikalischer  Erzählkunst
sowie der sehr sparsam verwendete Grimm’sche Originaltext öffnen dem Zuschauer vielschichtige Bilder des
Märchens.
     

 

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